Alles und Nichts

Wolfgang Lorenz oder warum sich das junge Publikum des ORF in Grenzen hält

Posted in Medien by sebastianbauer on November 8, 2008

Unglaublich, was sich gerade beim ORF-Dialogforum zum Thema „Public Media & Public Value im 21. Jahrhundert“ im Rahmen des Elevate abgespielt hat. Am Beginn nicht viel Unerwartetes, nicht langweilig, aber eben nicht sensationell.

Bis auf einmal Prof. Wolfgang Lorenz, der Programmdirektor Fernsehen des ORF, von einem „scheiß Internet“ zu reden beginnt. Hat er das gerade wirklich gesagt, „scheiß Internet“? Er hat! Und wird nicht müde es zu wiederholen, er redet sich geradezu in Ekstase. Die Jugend von heute sei nicht in der Lage sich richtig zu artikulieren. Außer in Postings im Internet. Und ihm sei es „scheißegal“, was wir in diesem Internet machen würden.

Auf heftigen Widerspruch aus dem Publikum und die Feststellung, dass man im Internet interessantere Angebote finden würde als sie der ORF biete, folgte der Sager des Abends. „Es ist mir scheißegal, ob Sie zuschauen oder nicht.“ Wortwörtlich hat er es so gesagt, der Programmdirektor des ORF.

Bis jetzt hab ich mir immer gedacht, der ORF wolle zwar die Jugend ansprechen und als Publikum für sich gewinnen, sei aber nur begrenzt in der Lage, ein adäquates Programm zu gestalten. Wenn nun aber der Programmdirektor sagt, es sei ihm „scheißegal“ (und er wurde nicht müde, dieses Wort zu wiederholen), was die Jugend interessiere, muss ich das wohl komplett neu überdenken und komme zu dem Schluss, dass der ORF kein solches Programm anbieten will.

Was mich im Grunde noch mehr schockiert hat, als die Aussage an sich, ist, dass er es so ausgesprochen hat. Wenn er das denkt, was er gesagt hat, ist er in dieser Position vielleicht einfach fehl am Platz. Aber dass er es ausspricht, noch dazu mit diesen Worten, finde ich eigentlich nur mehr… unglaublich… sensationell… peinlich.

Das Glück, das der ORF hat, ist, dass Lorenz schon mitte 60 ist und der einzigen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Österreichs somit vermutlich nicht mehr allzu lange erhalten bleibt. Ansonsten wäre zumindest die TV-Sparte des ORF wohl über kurz oder lang dem Untergang geweiht…

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Chaos beim ORF

Posted in Medien, Politik, Sport by sebastianbauer on Oktober 11, 2008

Was für ein Tag für den ORF. Um 17:00 hätte auf ORF1 die Übertragung des Fußballländerspiels der Färöer Inseln gegen Österreich starten sollen. Stattdessen zuerst Tennis aus Wien. Nach wenigen Minuten eine kurze Stellungnahme aus dem Studio, wonach die Satellitenübertragung nicht funktioniere. Also die logische Folge: Werbung.

Umschalten auf ORF2 zur ZIB um 5. Nach einem dreisten Schnitt, bei dem Tarek Leitner sich selbst antwortet (10:07), gibt Susanne Riess-Passer, ausgewiesen als „ehem. Bundeskanzlerin, FPÖ“, ihr Statement zum tragischen Unfalltot Jörg Haiders ab. Das ganze nach 10:36 min, nachzusehen hier.

Auf ORF1 immer noch kein bewegtes Bild, dafür hat eine Radioübertragung aus Torshavn begonnen. Mit Thomas König als Kommentator. Im Insert weist der ORF die Schuld von sich, zu Beginn zwar sehr bestimmt, aber nur zweizeilig. In der zweiten Hälfte füllt das Insert bereits fast das ganze Standbild aus und wirkt irgendwie trotzig.

Nach Spielende analysiert Herbert „Schneckerl“ Prohaska das Match. Zwar nur kurz, aber trotzdem hab ich mich gefragt, wie macht er das? Er hat das Spiel ja nicht gesehen (Live-Stream hat es nämlich auch keinen gegeben). Und dem Kommentar Königs war wahrlich nicht viel zu entnehmen.

Was mir noch aufgefallen ist… in allen Medien, die ich heute verfolgt hab, ist das Wort Alkohol im Zusammenhang mit Haider kein einziges Mal gefallen…